Großflecken nicht schlecht reden

Unser Großflecken bleibt Dauerthema –

Jetzt hat der Verein Stadtmarketing Neumünster eine Umfrage veröffentlicht. Er hatte seinen mehr als 80 Mitgliedern drei Fragen zum Thema Großflecken gestellt. Eine davon wurde von 18 Mitgliedern, die beiden anderen von 22 bzw. 25 Mitgliedern beantwortet.

Auch wenn der Rücklauf damit verhältnismäßig dünn ist, hat der Verein daraus einige Forderungen abgeleitet.

Dazu erklärt unser Fraktionsvorsitzender Sven Radestock:

Nach jahrelangem Stillstand haben wir endlich einen tragfähigen Kompromiss für die Zukunft des Großflecken gefunden – es ist schade, dass dies von einigen offenbar noch immer nicht akzeptiert wird. 

Wir nehmen die Mitteilung des Vereins Stadtmarketing Neumünster interessiert zur Kenntnis, teilen die Schlussfolgerungen jedoch nicht.

Es klingt für mich nach einem weiteren Versuch, den nach langer Diskussion gefundenen Weg erneut in Frage zu stellen. 

Die angeführten Argumente können dabei nicht überzeugen:

  1. Es bleibt Abwägungssache, was besser ist: Ein größeres Baufeld oder eine längere Bauzeit. Es gibt für beide Varianten Pro- und Contra-Argumente – Beeinträchtigungen bringt beides. 
  2. Nur die Fugen zwischen den Pflastersteinen zu erneuern, beseitigt nicht die Probleme. Es ist vielmehr eine weitere Flickschusterei.
  3. Den Beginn der Baustelle hinauszuzögern, wäre blauäugig. Wie die Witterungsverhältnisse sein werden, lässt sich nicht seriös vorhersagen – und wenn es dann später losgehen soll, werden sich mit Sicherheit erneut Gegenargumente finden lassen.

Natürlich hat die Coronakrise vieles verändert. Wir können aber auch genau entgegengesetzt argumentieren: 

  • Wann, wenn nicht jetzt, da ohnehin viele Großveranstaltungen nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, sollte man ein solches Vorhaben in Angriff nehmen?
  • Auch und gerade in der Krise ist es für die Wirtschaft wichtig, dass die öffentliche Hand investiert.
  • Gerade jetzt werden Firmen mit Corona-Hilfsprogrammen des Bundes unterstützt – es ist die Frage, ob die Belastung nicht kritischer zu bewerten wäre, wenn die Baumaßnahme weiter verlängert oder gar hinausgezögert würde.

Eine zukunftsorientierte Innenstadt ist in unser aller Interesse. Eine Innenstadt, die attraktiv ist, in der wir uns gern aufhalten, in der wir etwas erleben können. Mit einem Weiter-so ist es deshalb nicht getan. Statt dessen schaffen wir mit einem vielseitig nutzbaren und dabei weitgehend barrierefreien Großflecken wichtige Voraussetzungen dafür. 

Es bringt denn auch wenig, immer wieder alte Konflikte neu zu beleben und ständig öffentlich den Tod des Einzelhandels heraufzubeschwören – ist gerade Letzteres doch dazu geeignet, dem Image der Innenstadt zu schaden. 

Wir sollten deshalb gemeinsam Wege und Strategien suchen. Ein vielversprechender Weg könnte dabei auch die Bildung eines Bürgerrats sein, den die Grünen gemeinsam mit der Linken-Fraktion für die kommende Ratsversammlung beantragt haben. 

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