Corona: Grüne spenden ihr Rats-Geld

Eine Aufwandsentschädigung ohne tatsächlichen Aufwand – daraus
lässt sich nach Ansicht der Neumünsteraner Grünen-Fraktion etwas
richtig Sinnvolles machen. Die Idee: Wenn die Ratsversammlung
Anfang Mai und die meisten Ausschusssitzungen davor ohnehin
abgesagt werden, dann können die Mitglieder der Ratsversammlung
auch ihre Entschädigung weitergeben.
„Die Coronakrise betrifft uns alle auf irgendeine Weise“, meint der
Fraktionsvorsitzende Sven Radestock: „Unser aller Privatleben wird
erheblich eingeschränkt, hinzu kommen persönliche und auch berufliche
Sorgen, die viele von uns beschäftigen.“ Solidarität ist deshalb das Gebot
der Stunde, und das betrifft neben Familien, Nachbarn und Firmen auch
viele engagierte Initiativen.
„Mit unserer Aufwandsentschädigung können wir im kommenden Monat
deshalb solche Einrichtungen unterstützen, die von den Corona-
Maßnahmen besonders gebeutelt sind – schließlich sind wir im Moment
ohnehin gezwungen, unsere politische Arbeit umzuorganisieren und leider
auch etwas herunterzufahren“, hatte Wiebke Diehlmann vorgeschlagen.
Die Idee der stellvertretenden Stadtpräsidentin fiel bei ihren
Ratskolleg*innen sofort auf fruchtbaren Boden. So werden nun insgesamt
2100 Euro gespendet: Das ist der Betrag, der den Mitgliedern der
Grünen-Fraktion als Aufwandsentschädigung für ihr Ratsmandat zusteht.
Die Grünen Ratsmitglieder wollen das Geld zu gleichen Teilen in drei
Bereichen einsetzen:
• Für soziale Arbeit übergeben Heiner Voigt, Geoffrey Warlies und Klaus-
Dieter Iwers 700 Euro an das Frauenhaus: „In der Ausnahmesituation
für uns alle nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Es müssen deshalb
weitere Räume angemietet werden. Unser Geld soll dabei helfen, diese
Räume als geeignete Unterkünfte einzurichten.“

• Mit virtuellem Futter für den gleichen Betrag wollen Wiebke Diehlmann
und Sven Radestock den Tierpark unterstützen. Er muss derzeit für
Besucher geschlossen bleiben, wodurch die Eintrittsgelder fehlen:
„Futter für die Tiere wird aber natürlich trotzdem gebraucht.“
• Mit dem KDW fördern die Grünen schließlich eine kulturelle Einrichtung,
die im Moment ebenfalls auf Besucher verzichten muss. „Kino,
Konzerte und das Singcafé mussten komplett abgesagt werden. Wann
es weitergeht, weiß niemand. Das tut richtig weh“, sind Urte Kringel und
Thomas Krampfer überzeugt.
Dass die jeweils 700 Euro angesichts der großen Verluste nur ein
vergleichsweise kleiner Beitrag sind, ist auch den Grünen bewusst. „Auch
dass es noch viele andere gibt, denen jetzt dringend unter die Arme
gegriffen werden muss“, so Wiebke Diehlmann. Vielleicht rege es ja aber
andere an, ebenfalls zu helfen, wenn es geht.
Völlig stillgelegt ist die Arbeit der Neumünsteraner Grünen übrigens
auch in der Corona-Zeit nicht. So finden nach wie vor regelmäßige
Sitzungen statt – allerdings virtuell. Informationen dazu gibt es im
Internet auf der Homepage www.gruene-neumuenster.de.
Die Aufwandsentschädigungen der Ratsmitglieder sind dort
ebenfalls transparent einsehbar.

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